Geschichte der Homöopathie

Wurzeln der Homöopathie

Homöopathie? Die hat doch Samuel Hahnemann erfunden, oder? Richtig – er legte den Grundstein der heutigen Homöopathie. Doch die Grundlagen gehen noch sehr viel weiter zurück. Denn die Homöopathie ist eigentlich eine von vielen Weiterentwicklungen der Naturmedizin, die es schon sehr lange gibt. So hat schon Dioskurides  im 1. Jh. nach Christus die Materia Medica verfasst, in der 1000 Arzneimittel erfasst sind und 4740 medizinische Anwendungen beschrieben werden. Über 1600 Jahre war seine Arzneimittellehre die uneingeschränkte Autorität in der Pharmazie, der Pflanzen- und Drogenkunde. Galenus von Pergamon (geb. 129 n. Chr.) sagte über Dioskurides, dass er die Lehre von den Heilmitteln von allen Autoren am vollkommensten vortrüge. Galenus gilt als der führende Wissenschaftler seiner Zeit und schrieb über 500 Bücher und Abhandlungen. Auch die Arbeit von Hildegard von Bingen (1098-1179) basierte auf der Heilkraft der Kräuter. Sie fasste ihr medizinisches Wissen in 2 Werken zusammen: „Causae et curae“ (Ursachen und Behandlungsweisen) und „Physica“.

Der Grundstein der Homöopathie

Samuel Hahnemann legte schließlich den Grundstein der Homöopathie. 1796 veröffentlichte er seinen ersten Aufsatz über das Heilprinzip, Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen. Sein Wissen erlangte er unter anderem aus zahlreichen Selbstversuchen (bekannt wurde der „Chinarindenversuch“). 1810 veröffentlichte er das „Organon“. Dieses Werk enthielt bereits alle Wesenszüge der Homöopathie, wurde aber in den kommenden Jahren noch erheblich überarbeitet und ergänzt. Es ist bis heute das theoretische Werk der Homöopathie geblieben.Hier fasste er die Grundsätze der homöopathischen Behandlungsmethode zusammen und legte zwei Grundregeln fest: 

1. das Ähnlichkeitsprinzip    

2. die Arzneimittelprüfung

Homöopathie nach Hahnemann bedeutet klassische Homöopathie und Behandlung mit Einzelmitteln. Hahnemann postulierte zunächst, dass jede Erkrankung auf eine individuelle Ursache zurückgehe und es dafür immer das einzig passende Simile (Einzelmittel) gäbe. Er musste allerdings eingestehen, dass auf Anhieb das richtige Simile zu treffen nicht leicht ist. Deshalb forderte Hahnemann, so lange zu prüfen und zu versuchen, bis es endlich gefunden ist. Das kann schon beim ersten Mal gelingen, es kann aber auch erst beim zehnten oder zwanzigsten Mal glücken. Dieses Prinzip fand jedoch bald eine Weiterentwicklung.

Homöopathie im Wandel

Emanuel Felke (1856-1926), auch der „Lehmpastor“ genannt, studierte Theologie, doch sein Hobby galt der Pflanzenheilkunde. Er studierte intensiv Hahnemanns Schriften und setzte sein Wissen bei der Behandlung von Kranken in seiner Gemeinde ein. Hierbei benutzte er nicht nur Einzelmittel, sondern auch Gemische verschiedener homöopathischer Substanzen und erzielte damit sehr gute Erfolge.
Bei seinen Untersuchungen bediente er sich der Irisdiagnose und zog aus den Veränderungen der Iris Rückschlüsse auf die Erkrankungen.

Eine Patientin und spätere Schülerin von Felke war Magdalene Madaus. Sie kam mit einer schweren Unterleibsentzündung zu ihm, die er mittels Irisdiagnose diagnostizierte und mit Kombinationspräparaten (Komplexmitteln) behandelte. Außerdem therapierte Felke ihren an Polio erkrankten Sohn Hans, der so wieder laufen lernte.

Heilerfolge überzeugen

Durch diese Heilerfolge überzeugt, wurde sie Schülerin von Felke und entwickelte sowohl die Augendiagnose als auch die Komplexmittel weiter. So entstand daraus das Therapiesystem der 121 Oligoplexe, das heute noch existiert. Der Name Oligoplex ist ein eingetragenes Warenzeichen und kommt aus dem griechischen oligos=wenig, gering. Es bedeutet, dass wenige Einzelmittel kombiniert werden. Ihre Söhne Gerhard, Friedemund und Hans gründeten das pharmazeutische Unternehmen Dr. Madaus &Co. (heute Madaus GmbH), welches die Oligoplexe bis heute herstellt und vertreibt.

Heute bilden Oligoplexe eine wichtige Hilfe für jeden Therapeuten. In ihnen werden Similes kombiniert, die sich in ihrer Wirkung unterstützen und ergänzen. Der Körper holt sich dann die Stoffe heraus, die er für die Aktivierung der spezifischen Regulations- und Selbstheilungskräfte benötigt. Oligoplexe ersparen lange Suchzeiten nach dem richtigen Simile.